Ein Schubs für die Welt

(mittel)
Welche Aufgabe bleibt Gott in der modernen Welt?
Ich kann es Descartes nicht verzeihen: am liebsten hätte er in seiner ganzen Philosophie völlig auf Gott verzichtet; aber er konnte nicht umhin, ihn der Welt einen kleinen Schubs geben zu lassen, um sie in Bewegung zu setzen; danach gibt es nichts mehr zu tun für Gott.
Pascal
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Kommentar

Je ne puis pardonner à Descartes: il aurait bien voulu, dans toute sa philosophie, pouvoir se passer de Dieu; mais il n’a pu s’empêcher de lui faire donner une chiquenaude, pour mettre le monde en mouvement; après cela, il n’a plus que faire de Dieu.

In diese Richtung bewegte sich dann tatsächlich der christliche Glaube bzw. das Denken der fortschrittlicheren Christen. Viele hatten bald keine „vernünftige Verwendung“ mehr für einen allwissenden, allmächtigen, strafenden usw. Gott, der dann in die letzten bzw. frühesten Winkel des Universums, als eine Art personalisierter Urknall sozusagen, entsorgt wurde. Für Moral und alles andere waren dann die Menschen selbst zuständig. Das war es, was der fromme Pascal befürchtete und nicht verzeihen konnte.
17. Jhd.

Autor und Werk

Blaise Pascal, 1623-1662

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Verben

verzeihen verzichten umhinkönnen lassen setzen tun
20190525


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